Hof Czegle







Der Aderlass

Letzte Woche wurde bei einem unserer Ponys Blut abgenommen. Und weil es das nicht gut fand, zappelte es etwas herum. Das erinnerte mich an die Geschichte von Mandy,unserer weißen Kaltblustute. Als sie mit starker Hufrehe zu uns kam, haben wir bei ihr einen Aderlass gemacht. 

Hier die Geschichte:

Bei akuter Hufrehe ist es für Pferde gut, wenn ein Teil des "verseuchten" Blutes abgenommen wird, damit sich frisches bildet. Das hatten wir auch für Mandy vorgesehen. 
Unser Team bestand aus der Tierärztin, der Tierarzthelferin, mir und drei Kindern, die zuschauten. Die Tierärztin hatte das Litermaß, um die Menge abzumessen. 

Ich hielt Mandy am Strick, der um den Anbindering gewickelt war und die Tierarzthelferin hielt Mandy am Kopf. Mandy stand ergeben da, und durch die dicke Kanüle lief das Blut fleißig in den Messbecher. Die Kinder waren zwar neugierig, aber ihnen war auch, angesichts des Blutes, etwas komisch. Nach einer Weile beschloss nun Mandy, dass es genug ist. 

Sie warf sich abrupt gegen die Tierärztin, die daraufhin den Messbecher Richtung Decke schmiss. Alle Blicke gingen gebannt nach oben und entsetzt erwarteten wir die rote Dusche. Glücklicherweise traf es komplett Mandy. Sie sah aus, als wäre ein Stück aus ihr rausgeschnitten worden.

Die Kinder würgten. Der Tierärztin tropfte das Blut nun auf die Hände, weil der Messbecher weg war. Ich rief Wendie zu, dass sie den Becher aufheben sollte. 
Voller Entsetzen schüttelte sie den Kopf. 

"Urgs, äh-äh!" was ich als nein deutete. "Nun mach schon, du willst doch Tierärztin werden!!!" 
"Ich – ich – ich... Ich werde Lateinlehrer!" (So schnell kann sich ein Berufswunsch ändern)

Die Tierärztin hat dann den Becher selbst aufgehoben. Mandy stand ja friedlich da. Und dass das Blut nun auch noch ins Fell tropfte, war relativ egal. 
Wir haben den Rest ohne weiteren Zwischenfall erledigt bekommen.

Zum Schluss wurde Mandy erst mal abgeduscht.
Danach kam der Stallboden dran. Die Mädels haben, nach anfänglichem Zögern, dabei fleißig den Besen geschwungen, um die rote Brühe aus dem Stall zu bekommen.

Als weitere Mutprobe erwies sich das Leeren des Eimers, in dem der Rest vom Aderlass gesammelt wurde. Die drei Mädel gingen, gemeinsam den Henkel des Eimers anfassend, zum Misthaufen. Dort kippten sie ihn aus. Aber das Blut war geronnen und wollte nicht raus. Schütteln half auch nichts. 

Da nahm Wendie den Eimer allein in die Hände und schüttelte so lange, bis sich mit einem dicken Blubb das rote Wabbelding vom Eimer löste. 
Die Tierärztin war hinterher noch wochenlang sprachlos. Sie hatte noch nie erlebt, dass ein Pferd sich bei Spritzen in Richtung Tierarzt schmeißt. Von ihm weg, aber nie gegen an. Tja, bei uns gibt es immer etwas Neues.